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21. August 2009 um 00:48
Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin und keiner geht hin? Von wegen! Natürlich kann ich mir so ein Ereignis nicht entgehen und dieser Meinung waren heute mit mir fast 60.000 Zuschauer, die den Weg ins Olympiastadion fanden. Es erwartete sie ein vollgepacktes Programm. So stand der zweite Tag des Zehnkampfes den ganzen Tag auf dem Programm und in der Abendsession standen mit dem Finale über 200m, den 110m Hürden der Männer und vor allem dem Hochsprungfinale der Frauen interessante und spannende Entscheidungen an. Also hatte ich mir den Tag ausgesucht und freigenommen und mich von morgens um kurz nach 10 bis 22:30 Uhr ins Stadion gesetzt und die Wettkämpfe verfolgt. Im Folgenden ein paar Eindrücke, Ergebnisse, Videos und Fotos. Alle Fotos gibt es in der Gallery.


Mit zwei Duellen wurde in der Stadt auf großen Plakatwänden Werbung für die 12. IAAF Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin gemacht: Zum einen für das 100m-Finale und das Duell zwischen Usain Bolt und Tayson Gay. Daraus wurde ja am vergangenen Sonntag nicht wirklich was, aber natürlich gehört(e) Bolts Fabel-Weltrekord von 9,56s schon jetzt zu den Highlights dieser WM. Das zweite Duell stand heute auf dem Programm: Blanka Vlasic aus Kroatien gegen Ariane Friedrich im Hochsprung der Frauen. Dazu aber später, ein bisschen der Reihe nach.

Dienstag habe ich mich endlich dazu durchringen können, mich für einen Block zu entscheiden und eine Karte zu kaufen. Die umfangreichen Überlegungen im Vorfeld haben sich gelohnt. Der Sitzplatz in Block 25 im Oberrang der Gegengeraden in Höhe des 200m-Starts war perfekt, um am Vormittag den Diskuswettkampf im Zehnkampf zu verfolgen. Es war noch nicht so voll, so dass ich mich nicht genau auf meinen Sitzplatz vorkämpfe und erst in der Mittagspause feststellte, dass es meinen Sitzplatz gar nicht gibt. Er war wohl ausgebaut worden, um die Spule für die "Spidercam" genau dort hinzustellen. Die Spidercam flog durch auf der Seite des Marathontores herum und lieferte beeindruckende Bilder aus dem Wurfring, von den Siegerehrungen und aus der Kurve vor der Zielgeraden.


Als ich nach dem Diskuswerfen der Zehnkämpfer mal kurz das Stadion verließ, um mich auf dem "Market Place" umzusehen, besuchte ich auch den "Clearing Point" und erklärte der guten Frau (bestimmt "Volunteer"), dass es meinen Sitzplatz nicht gibt. Sie war etwas irritiert, holte aber Unterstützung und nach ein paar Minuten durfte ich am Container ein Fenster weiterrücken und über einen neuen Sitzplatz verhandeln. Da der Block sehr gut ausgebucht, scheinbar ausverkauft, war, wurde ich upgegraded in den Block M.4. Bevor ich mir das angesehen habe, habe ich mein Fahrrad umgeparkt und es zum "Bike Parking" gebracht: Bewachte Fahrradparkplätze, da kann man nicht meckern.

Es war mir da draußen dann irgendwie doch zu warm, bei über 30 Grad bin ich dann wieder zurück ins Stadion. Auch mein neuer Sitzplatz war ein Schattenplatz und man konnte grandios gucken. Er befand sich noch etwas weiter in der Mitte und vor allem im Unterring. Das war schon mal sehr gut. Von dem Platz konnte ich sehr gut die Hochsprunganlage und den 200m-Start einsehen. Aber auch der Speerwurf im Rahmen des Zehnkampfes war gut zu verfolgen.

Der heutige Tag war nicht so richtig in eine Vormittags- und Abendsession zu teilen, denn die Zehnkämpfer waren den ganzen Tag im Stadion und zeigten insbesondere beim Stabhochsprung starke Leistungen. Am Nachmittag fand auch die Hammerwurf-Qualifikation der Frauen statt, in der die Deutsche Meisterin Betty Heidler gleich im ersten Wurf der Konkurrenz die erforliche Qualifikationsweite von 72,00 Metern übertraf und mit über 75 Meter einen neuen Championship-Record aufstellte und sich somit schnell wieder aus der Hitze den Innenraums gut gelaunt verabschieden konnte.


In der Qualifikationsgruppe B musste die zweite deutsche Teilnehmerin Kathrin Klaas nach einer Weite von über 70 Metern im ersten Versuch am Ende noch zittern und erreichte als 11. aber doch das Finale. Dabei hatte sie einen großartigen 3. Versuch, der mindestens auf dem Niveau von Heidlers Wurf war, übertrat aber mit der Fußspitze die Ringkante und bekam die rote Fahne von der Kampfrichterin zu sehen. Vielleicht ist da im Finale noch etwas drin. Auch wenn die Konkurrenz nicht zu unterschätzen ist, es bedurfte immerhin einer Weite von über 70 Metern, um ins Finale der besten 12 einzuziehen. Das Finale findet am Samstag Abend statt.

Die Zehnkämpfer waren währenddessen schon lange beim Stabhochsprung. Es wurde auf zwei Anlagen gesprungen, auf der einen die vermeintlich besseren Springer, auf der anderen, die schlechteren. Auf der schlechteren Anlage begann der Schwede Algman bei 3,80m und sprang ab da jede Höhe, bis er bei 4,30m ausschied. Zu diesem Zeitpunkt hatte er mindestens schon zehn Sprünge gemacht. Auf der anderen Anlage wurde bei 4,20m begonnen. Überragend war der Amerikaner Trey Hardee, der nach vielen Stunden in der Hitze 5,20m überquerte und die Konkurrenz gewan. Aus deutscher Sicht erfreulich die Persönliche Bestleistung von Pascal Behrenbruch, der 4,80m übersprang und dann für das Speerwerfen einen Wurf von über 70m versprach.

Es begann die Abendsession um 18 Uhr, zu der sich auf das ZDF wieder dazuschaltete. Und es begann mit einen kleinem Geheimtipp von mir. Nach den positiven Eindrücken aus den gestrigen Vorläufen hatte ich die leise Hoffnung, dass die deutschen Hürdenspringer Helge Schwarzer oder Alex John den Sprung ins Finale schaffen. An mangelnder Unterstützung lag es nicht, denn vier Mädels vor mir waren schon 1,5 Stunden vor dem Start damit beschäftigt, ein Anfeuerungsbanner für Alexander John am Geländer festzumachen, was ihnen dann auch bis zum Start glückte. Beide deutschen Starter verpassten das Finale allerdings deutlich und kamen in ihren Halbfinals nicht über Platz 6 (Schwarzer) und 8 (John) hinaus. Dabei hatte gerade Schwarzer die Chance, denn der Weltjahresbeste und Weltrekordhalter Dayron Robles verletzte sich an der vierten Hürde und schied aus. Schwarzer und John blieben aber weit unter ihren in diesem Jahr aufgestellten Bestzeiten von 13,39s bzw. 13,35.

Zwei weitere deutsche Hoffnungen hatte ich direkt vor meiner Nase. Denn direkt vor der Gegentribüne fand die Qualifikation für das Weitsprungfinale statt. Ich wurde belehrt, dass Deutschland mit Sebastian Bayer und Nils Winter den amtierenden Hallen-Europameister und Vize-Hallen-Europameister stellt. Bayers Freundin Carolin Nytra war gestern im 100m Hürden-Halbfinale enttäuschend ausgeschieden und das gemeinsame Maskottchen Zimbo sollte Sebastian mehr Glück bringen. Das half nicht. Bayer gelangen im ersten Versuch 7,98, Winter leistete sich zwei ungültige Versuche. Viel besser wurde es nicht mehr, beide schieden aus. Sie hätten 8,01m gebraucht, um ins Finale zu kommen, wenn sie die direkte Qualifikation über eine Weite 8,15m nicht schaffen. So findet das Weitsprungfinale ohne deutsche Beteiligung statt. Kleine Anmerkung am Rande: Ich habe gerade zufällig gesehen, dass der deutsche Zehnkämpfer Michael Schrader in diesem Jahr beim Zehnkampf (!) in Götzis 8,05m im Weitsprung in die Grube brachte...

Der Abend näherte sich immer mehr seinen Höhepunkten, zuvor standen aber noch Vorläufe über 5000m an. Eigentlich vom Publikum nicht sonderlich intensiv verfolgt, hatte es einen schnell abgeschlagenen Äthopier (er hatte seinen Schuh auf der ersten Runde verloren) ins Herz geschlossen und ihn bei seiner Jagd nach dem großen Feld lautstark unterstützt, es half aber nix, der Abstand war zu groß. Der deutsche Starter Arne Gabius hatte erwartungsgemäß keine Chance und erreichte eine Zeit um 13:50 Minuten und bliebt damit ca. 25 Sekunden über seiner Bestzeit.
Zuvor war Mittelstreckler Robin Schemberra über 800m ebenfalls in der 1. Runde ausgeschieden, nachdem er nach einem Sturz bei 400m mit großem Rückstand ins Ziel kam und schwer enttäuscht war.

Unterdessen war tosender Beifall in der Hochsprungkurve aufgekommen, denn die zwölf Finalistinnen des Hochsprungs hatten den Innenraum des Stadions betreten. Unter ihnen natürlich die beiden Favoritinnen Blanka Vlasic und Ariane Friedrich. Aber auch sonst war das Feld gespickt mit guten Springerinnen und einer Berlinerin: Meike Kröger schaffte vorgestern die Qualifikation und durfte nochmal in "ihrem Olympiastadion" auflaufen.
Die Vorstellung der Teilnehmerinnen brachte schon Gänsehaut-Stimmung. Auch wenn Friedrich natürlich am meisten angefeuert wurde, wurden auch die anderen Teilnehmerinnen sehr freundlich empfangen. Dann ging es auch los: Die Anfangshöhe war 1,87m. Ariane Friedrich ließ die Höhe als einzige aus. Meike Kröger, Blanka Vlasic und andere übersprangen die Höhe problemlos. Allerdings musste die Amerikanerin Amy Acuff bei ihrem siebten (!) WM-Finale in den 3. Versuch und überquerte die Latte erst auf den letzten Drücker. Über 1,92m stieg dann Ariane Friedrich in den Wettkampf ein und überquerte die Latte unter großem Beifall im ersten Versuch. Gleiches glückte auch Blanka Vlasic. Acuff und Kröger schieden bei dieser Höhe aus.

Ungefähr zu dieser Zeit ein weiterer Höhepunkte aus deutscher Sicht: Die Siegerehrung für die Diskuswerfer. Der Berliner Robert Harting, der gestern in einem spannenden Finale mit dem letzten Wurf die Goldmedaille holte, bekam diese heute umgehangen (Video). Und das von keinem geringeren als dem fünfmaligen Diskusweltmeister Lars Riedel. Hinter mir wurde dann auch die deutsche Hymne lauthals mitgeschmettert. Naja, wer weiß, wie oft sie noch zu hören sein wird in den nächsten Tagen... Scheinbar war Riedel von seiner umjubelten Vorstellung allerdings so ergriffen, dass er vergaß, dem Drittplatzierten Gerd Kanter aus Estland die Medaille umzuhängen und sich noch im Stadion umschaute. Erst als der Zweitplatzierte aufs Podest stieg, fiel Riedel auf, dass er erstmal noch auf die andere Seite muss, um Kanter seine Medaille umzuhängen. Übrigens bekam Riedel später an gleicher Stelle einen Fair-Play-Preis der IAAF überreicht. Gegen 20 Uhr habe ich mal einen kleinen Schwenk durchs Stadion gemacht (Video).

Ariane Friedrich ließ 1,95m erneut aus, Vlasic und Chicerova gaben sich keine Blöße. Bei 1,99 war Friedrich dann auch wieder dabei und konnte sich schnell wieder anziehen, nachdem sie die Höhe meisterte. Schwieriger wurde es dann bei 2,02. Chicerova übersprang die Höhe in ersten Versuch und machte aus dem vorhergesagten Zwei- einen Dreikampf. Blanka Vlasic und Ariane Friedrich rissen im ersten Versuch. Vlasic schaffte es im Zweiten, Friedrich nicht. Es ging also um alles, als Ariane Friedrich zum dritten Versuch über 2,02m anlief. Totenstille im Stadion und 60.000 Zuschauer schrien erleichtert auf, als die Latte liegenblieb und der Wettkampf weiterging. Danach riss die Italienerin und es waren nur noch drei Teilnehmerinnen im Wettbewerb, so dass Chicerova, Vlasic und Friedrich eine Medaille sicher hatten. Sollten bei 2,04m alle reißen, wäre die Medaillenvergabe in dieser Reihenfolge erfolgt.

Nach den ersten Versuchen über 2,04m sah es danach aus, aber dann überquerte Blanka Vlasic die Höhe im zweiten Versuch und ging in Führung. Zuvor hatten Chicerova und Friedrich auch ihre zweiten Versuche gerissen. Chicerova blieb bei 2,04m und war damit auch am Ende ihres Leistungsvermögens angelangt, die Fehlversuche waren sehr deutlich.
Ariane Friedrich entschied sich dafür, sich ihren letzten Versuch für die nächste Höhe aufzuheben. Die hätte sie eh springen müssen, um Weltmeisterin zu werden. Außerdem war sie eben jene 2,06m vor zwei Monaten vor meinen Augen beim Istaf in diesem Stadion auf dieser Anlage gesprungen und war damit die Weltjahresbeste und hatte den uralten Deutschen Rekord von Heike Henkel verbessert.
Der Wettkampf war nun an Spannung kaum zu überbieten, es war das Duell der beiden Kontrahentinnen. Ariane Friedrich legte sich vor dem entscheidenden Anlauf den Finger auf die Lippen. Das Publikum folgte ihrer Aufforderung und es war absolut still im Stadion. Beim Zehnkampf-Speerwurf wurde gewartet, es war Ariane Friedrich-Zeit... Wie sich das im Stadion anfühlte, ist schwer zu beschreiben, aber vielleicht hilft das Video eines ganz knapp gerissenen Sprungs über 2,04m, um einen Eindruck zu bekommen.

Und fast wäre diese Zeit auch noch weitergegangen. Allerdings endete der Wettkampf für Ariane Friedrich mit übersprungenen 2,02m, da sie bei 2,06m denkbar knapp riss und schon tosender Jubel ausbrach, nachdem sie eigentlich schond rüber war. Blanka Vlasic war Weltmeisterin und ließ sich schon mal ein bisschen feiern, bevor sie die Weltrekordhöhe von 2,10m aufliegen ließ. Sie scheiterte allerdings dreimal, so dass der alte Weltrekord (von 1987!) von Stefka Kostadinowa noch weiter Bestand hat. Die drei Medaillengewinnerinnen ließen sich ausgiebig feiern und dankten mit einer Ehrenrunde dem Berliner Publikum. Die Runde von Ariane Friedrich, die Meike Kröger mitnahm, dauerte am längsten, denn Friedrich nahm sich die Zeit für viele Autogramme und Küsschen ins Publikum. Aber auch die Runde von Blanka Vlasic und Anna Chicerova wurde von den Rängen stimmungsvoll begleitet. Vor dem Stadionmikrofon brachte Ariane Friedrich ihre Gefühle mit einem Wort deutlich zum Ausdruck: „Geil!“

Die Feierlaune des Publikums wurde zuvor ja auch schon gut getestet. Eingeläutet wurden die Feierlichkeiten durch zwei Jamaiker(innen). Zunächst war es Melaine Walker, die das Finale über 400m Hürden bestimmte und mit ihrer Zeit von 52,42s die zweitschnellste jemals gelaufene Zeit erzielte und damit einen neuen Championship-Rekord aufstellte.


Auch sie ließ es sich danach natürlich nicht entgehen, eine Ehrenrunde zu drehen. Nach der Stadionrunde über die Hürden war sie dann aber wohl so geschafft und von der Stimmung ergriffen, dass sie sich genau vor der Gegentribüne auf den Rücken legte und den Jubel genoss. Das Maskottchen Berlino half ihr wieder auf die Beine und nahm sie huckepack auf den Rücken und rannte mit ihr los. Dabei übersah er durch sein Kostüm wohl das (gar nicht so kleine) Wägelchen mit großem Anhänger, auf dem gerade die Hürden des Laufes gestapelt wurden und rannte mit dem Kopf gegen die aufgestapelten Hürden. Mit Walker auf dem Rücken fiel er um, beide blieben scheinbar unverletzt und Walker setzte ihre Ehrenrunde auf eigenen Füßen fort.

Während das Hochsprungfinale in vollem Gange war, kam er ins Stadion. Er, das ist der 100m-Weltrekordler und dreifache Olympiasieger von Peking 2008: Usain Bolt:



Würde er den Rest der Welt wieder so deklassieren, wie er es in den letzten Läufen getan hat? Wird es ein neuer Weltrekord? Nach einem Fehlstart im ersten Versucht (natürlich nicht von Bolt) konnten beide Fragen nach 19,19s mit „Ja“ beantwortet werden. Ein unglaubliches Blitzlichtgewitter zog beim Startschuss durch das Olympiastadion und Usain Bolt hing die Konkurrenz schon beim Einbiegen auf die Zielgerade ab. Im Ziel stand ein neuer Weltrekord:


Obwohl keine Hürden auf der Bahn standen, traute sich Berlino diesmal nicht, den Weltmeister auf den Rücken zu nehmen und forderte ihn zu einem Sprintduell auf der Gegengeraden auf, das das Maskottchen locker gewann. Nach 300m der Ehrenrunde versuchte ein Kampfrichter verzweifelt, den Jamaikaner von der Bahn zu drängen, damit die anderen Wettkämpfe weitergehen können. Spiegel Online schreibt heute, dass Ariane Friedrich so lange gut im Rennen lag bis Usain Bolt kam. Das stimmt zwar, könnte aber auch den Höhen liegen, die nun mal im Laufe so eines Wettkampfes höher werden und ich habe von ihr selbst auch noch nichts gehört, dass sie das abgelenkt hätte. Im Übrigen hatten alle im Wettbewerb verbliebenen Hochspringerinnen damit zu kämpfen und das ganze Stadion nahm Rücksicht auf Ariane Friedrich. Wenn sie sprang, waren alle Sprung- und Wurfanlagen gesperrt und das Publikum folgte ohne Ausnahme ihren Anweisungen. Daran hat es also sicher nicht gelegen!

Es standen noch ein Lauffinale und der abschließende 1500m-Lauf der Zehnkämpfer auf dem Programm. Das erste Finale waren die 110m-Hürden. Das Finale wie schon angedeutet leider ohne einen deutschen Überraschungsteilnehmer, aber dafür umso spannender. Auf der Ziellinie waren drei Sprinter gleichauf und es dauerte ein bisschen, bis die Medaillenvergabe klar war. Ryan Brathwaite aus Barbados hatte am Ende die Nase vorn und gewann in 13,14s die Goldmedaille und lief den fünften nationalen Rekord in diesem Jahr. Auf den Plätzen folgten zeitgleich in 13,15s zwei Amerikaner: Terrence Trammell, der zum dritten oder vierten Mal „nur“ WM-Silber gewann und David Payne. Hier entschied das Foto-Finish!

Die Feierlichkeiten waren dann so gegen 21:30 Uhr beendet und die ersten Zuschauer aus der Hochsprungkurve verließen (kurzzeitig?) das Stadion. Denn die Veranstalter hatten sich entschieden, die ursprünglich für den nächsten Tag vorgesehene Siegerehrung im Hochsprung der Frauen noch am gleichen Abend durchzuführen.

Zunächst einmal wurden die 20 Minuten aber mit einer La Ola-Welle und einem Interview mit dem Bronzemedaillengewinner von Stuttgart im Zehnkampf, Paul Meier, überbrückt. Bei der Gelegenheit fiel mir ein, dass ich dem 1992 bei einem Lanzarote-Urlaub begegnet bin. Und dann habe ich mal bei Wiki geschaut und gesehen, dass er 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona teilgenommen hat und sich in Lanzarote wohl darauf vorbereitet hatte. Bei der Gelegenheit habe ich übrigens auch festgestellt, dass er mit der Hochspringerin Heike Henkel verheiratet ist. Die musste ja beim Istaf im Juni ihren Deutschen Rekord von 2,05m an Ariane Friedrich abgeben.

Paul Meier nährte dann auch noch Hoffnungen auf eine Medaille für Pascal Behrenbruch im abschließenden 1500m-Lauf der Zehnkämpfer. Allerdings hatte er 122 Punkte Rückstand auf Platz 3 und es kam mir schon ohne Punktetabelle so vor, als könne das nicht gehen, denn die versprochenen 70m im Speerwurf hatte er nicht geschafft und so verließ er auch verhältnismäßig geschafft und deprimiert das Stadion. Aber dazu später mehr, denn erst einmal stand die Siegerehrung im Hochsprung an.

Die Begeisterung des ausnahmslos fairen Publikums war wirklich nicht von schlechten Eltern. Ariane Friedrich wurde für ihre Bronzemedaille so gefeiert, als hätte sie Gold gewonnen und Blanka Vlasic so, als würde Ariane Friedrich ganz oben auf dem Podest stehen. Ein wirklich großer Moment. Die Medaillen überreichte übrigens unser Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, der allerdings auch von einzelnen Pfiffen begrüßt wurde.
Was Blanka Vlasic dieser Erfolg bedeutete, wurde auch während des Abspielens der kroatischen Nationalhymne deutlich, als sich noch immer 50.000 Zuschauer im Stadion zu ihren Ehren erhoben und sie ergriffen schien. Der Vater eines kleinen Jungens machte sich etwas lustig über die Tränen der Kroatin, worauf der Kleine erwiderte: "Naja, man wird ja nicht jeden Tag Weltmeisterin!" Recht hat er! Ein sehr spannender und hochkarätiger Wettkampf mit einem sehr sportlichen und begeisterungsfähigen Publikum!

Zuvor hatte der Algerier Bourraada im ersten Lauf über 1500m der Zehnkämpfer mit 4:12 Minuten eine sehr starke Zeit vorgelegt. Es war die zweitschnellste jemals im Rahmen eines Zehnkampfes gelaufene Zeit.

So in etwa hätte wohl Pascal Behrenbruch auch laufen müssen, damit sich die Medaillenhoffnungen von Paul Meier erfüllen. Obwohl frenetisch begrüßt und angefeuert machte er nicht den Eindruck, als könne er nach zwei anstrengenden Tagen bei großer Hitze noch etwas zulegen und man sieh ihm die Strapazen der letzten beiden Tage deutlich an. „Spannend“ wurde es noch einmal an der Spitze, denn der führende Amerikaner Trey Hardee hielt sich am Ende des Feldes auf, während der Kubaner Suarez vorne mitlief. 26 Sekunden hatte Hardee Vorsprung und er rettete sich 22 Sekunden nach dem Kubaner ins Ziel. Pascal Behrenbruch landete im Mittelfeld und konnte sich nicht mehr verbessern, fiel sogar noch einen Platz auf Rang 6 zurück.
Alles in allem aber ein großer Wettkampf aller 35 (!) Athleten. Pascal Behrenbruch schaffte mit 84.. Punkten eine neue persönliche Bestleistung und hätte mit dieser Punktzahl bei den letzten drei Weltmeisterschaften Bronze gewonnen. Bei den starken Leistungen in diesem Jahr blieb also „nur“ Platz sechs. Am Stadionmikrofon bedankte sich Behrenbruch für die tolle Unterstützung des Publikums und entschuldigte sich dafür, dass es keine Medaille geworden ist.

Wie üblich feierte die Zehnkampffamilie gemeinsam den Abschluss ihres Wettkampfes auf der Ehrenrunde.



Es war für mich eine tolle Erfahrung Teil dieses Wettkampftages zu sein. Es war der erste ausverkaufte Tag der WM und hoffentlich nicht der letzte. Die Leistungen der Athleten waren bemerkenswert und das meint nicht nur die Zeit von Usain Bolt, sondern auch die Darbietungen vieler anderer. Die Deutschen hielten nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte, aber es war trotzdem ein großer Tag. Jetzt werde ich live noch den Marathon der Herren am Samstag verfolgen und dann ist die Leichtathletik-WM in Berlin schon wieder Geschichte. Aber eine sehr schöne!

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Zuletzt überarbeitet ( 21. August 2009 um 17:29 )
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